Geschichte
Im März 1957 wurde in Basel die Bedarfsfluggesellschaft Globe Air AG ins Leben gerufen. Die Betriebsaufnahme erfolgte allerdings erst 1961, als die Betriebsgenehmigung vom Luftamt ausgestellt wurde. Zuerst betrieb die junge Fluggesellschaft Kurz- und Mittelstreckenflüge; ab 1964 dann auch Langstreckenflüge. Allerdings war die Gesellschaft schwach kapitalisiert und trotz des fliegerischen Erfolges geriet die Airline finanziell eher in Schräglage. Ein Absturz im April 1967 liess zudem das Vertrauen in die Globe Air schwinden und die Aktiengesellschaft ging noch im selben Jahr Konkurs.
Erfolgreicher Start
Eie erste Maschine der jungen Airline war eine Airspeed AS 57 Ambassador, welche die Globe Air von der British European Airways übernahm. Es folgten zwei weitere dieser 49-plätzigen Hochdecker. Mit der ebenfalls 1957 (neu-)gegründeten Balair spielte sich eine Art Arbeitsteilung ein: die Swissair-verbundene Balair bediente hauptsächlich Mittel- und Langstrecken; während die Globe Air vorallem Kurz- und Mittelstrecken bediente. In den ersten beiden Betriebsjahren (1961/62) führte man 709 Flüge, bzw. 3077 Flugstunden durch und flog 47 Flugplätze in 19 Ländern planmässig an.
Andauernder Höhenflug
Schon bald sah man sich nach einem Ersatzmuster für die alternde und nur in wenigen Stückzahlen gebaute Ambassador um. Zur Wahl standen u.a. fabrikneue Fokker 27, HS 748 und Handley Page Herald. Aufgrund der kurzen Lieferfristen und der Möglichkeit, die Ambassador-Flotte an Zahlung geben zu können, entschied sich die Globe Air Leitung für die Herald. Der Typ erwies sich zwar als wirtschaftlicher Flop, war für die Globe Air aufgrund der zuverlässigen und wirtschaftlichen Rolls Royce Dart-Turbinen, sowie der Kurzstarteigenschaften, aber ideal. So konnten auch kleinere Flughäfen wie Sion, Bern-Belp, Lugano oder Interlaken angeflogen werden. Das Streckennetz führte zu 83 Flughäfen in 32 Ländern, zu Zielen wie Bardufoss (Norwegen), Las Palmas, Porto Santo (Madeira) oder Nairobi (Kenya). Insgesamt setzte man 5 Herald-Maschinen ein.
Einstieg ins Langstreckengeschäft
Die bisherigen Erfolge machten den Einstieg ins Langstreckengeschäft reizvoll. Relativ günstig konnten zwei ehemalige El-Al Britannia Langstreckenflugzeuge erworben werden. Mit dem damals schnellsten und recht ruhigen Turboprop- Flugzeug konnten 126 Passagiere transportiert werden. Mit zwei 'flüsternden Riesen' (Britannia) wurden u.a. Strecken nach Südafrika und Japan beflogen.
Finanzielle Schräglage
Die finanzielle Basis der Globe Air war aber relativ schwach. Das Aktienkapital musste diverse Male erhöht werden, um das Wachstum zu finanzieren. 1964 wurden die Aktien der Ferienfluglinie dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und an der Börse gehandelt. Die Kleinaktionäre erhielten als Entschädigung für Ihr Engagement Vergünstigungen bei Flugreisen. Allerdings erwiesen sich die Abschlüsse als nicht immer wasserdicht und gaben immer wieder Anlass zu Nachfragen. Für das Geschäftsjahr 1966 musste dann auch ein operationeller Verlust von (damals hohen) 15,7 Mio Schweizer Franken bekannt gegeben werden.
Absturz bei Nicosia
Neben den finanziellen Problemen erschütterte am 20. April 1967 die Nachricht, die Globe Air Britannia HB-ITB sei mit 130 Insassen bei Nicosia (Zypern) abgestürzt, die Airline zusätzlich. Zu dem tragischen Ereignis kam es, weil die Maschine auf dem Flug von Bombay nach Kairo wegen schlechtem Wetter am Zielflughafen nach Nicosia umgleitet wurde. Allerdings war das Wetter dort nicht besser und beim dritten Anflugsversuch stürzte die Maschine um Mitternacht ab. Lediglich 4 Personen überlebten; 126 konnten nur noch tot geborgen werden.
Das unrühmliche Ende
Der tragische Absturz liess das Vertrauen in die Globe Air schwinden. Der finanzielle Schaden allein war durch die Versicherung abgedeckt, Aber die deutschen Behörden verhängten ein Einflugverbot, was besonders schwerwiegend war, weil ein Grossteil der Passagiere aus Deutschland stammte. Just in dieser Zeit wurde auch der Direktor festgenommen, weil sich herausstellte, dass die finanzielle Lage noch schlimmer als bisher dargestellt, war. Der Verlust betrug effektiv mindestens 24 Mio Schweizer Franken. Der geplante Ersatz der Propellerflugzeuge durch Jetflugzeuge kam nicht mehr zustande; eine bereits nach Basel überflogene Comet 4 wurde nicht mehr übernommen.
Schlussendlich wird im Oktober 1967 der Konkurs eröffnet und 90 Angestellte mussten entlassen werden. Es stellte sich heraus, dass die Bilanzen 'beschönigt' waren und in keiner Weise die effektiven finanziellen Verhältnisse zeigten. Schlussendlich wurden Forderung von gegen Mio 44 Schweizer Franken gestellt; da der Hauptaktionär Peter G. Staechelin, der seit der Gründung dabei war, noch wesentliche Barmittel einschoss, konnte noch eine Konkursdividende von 11 % ausbezahlt werden.