20.09.2005: Zypern-Schweiz im Porter

Von Tino Dietsche haben wir einige sehr interessante Bilder und Bericht über einen kürzlichen Überführungsflug eines PC-6 Turbo Porters von Zypern in die Schweiz erhalten:


Fangen wir aber von vorne an! Anfang April lief ich beim fotografieren eines Pilatus Porters einem Piloten über den Weg und kam mit diesem ins Gespräch. Nachdem er wusste was ich den so alles mache, fragte er mich ob ich evt. Interesse hätte eine grössere Foto-Story und Reportage über einen Pilatus Porter zu machen.... Natürlich lehnte ich dies nicht ab und gab ihm meine Karte. (Im Hinterkopf aber gleichzeitig die Meinung dass dies ein Angebot werden würde, welches wie bei so manchen dann doch nie in die Realität umgesetzt werden sollte.)

Zwei Tage später rief mich der Pilot zu meinem Erstaunen an und erklärte mir dass die ganze Sache mit Swissboogie abgesprochen sei und ich als Gast in Zypern willkommen sei... Zypern und was soll ich da? Nun auch diese Infos folgten und ich konnte kurzfristig ein paar Tage frei eingeben. Und was macht der Rheintaler nun in Zypern? Tja das erfahrt ihr im folgenden Bericht, ich möchte ja die Spannung nicht aus den Zeilen nehmen....


5B-CHD BN Islander und HB-FKP PC-6 Turbo Porter


Wo bleibt mein Koffer in Larnaca?

In Larnaca scheinen so manche Sachen ähnlich zu sein wie auf anderen Ferien-Airports! Also warte ich auch hier geschlagene 30 Minuten bis mein kleiner Koffer sich auch noch auf das Gepäckband verirrt und ich mit dem Taxi in Richtung Hotel abdüsen kann. Der restliche Abend besteht aus Essen, Trinken und feiern in einem haufen englischen Fallschirmspringern des Weltbekannten "Red Devils" - Teams der Royal Air Force.

Dieses Team ist auch gleich der eigentliche oder besser gesagt indirekte Grund für meine Reise nach Zypern. Jedes Jahr wird auf der Zyprischen Insel mit meist fantastischem Wetter das alljährliche Selektionstraining der berühmten Fallschirmspringer-Truppe durchgeführt. Auch in diesem Jahr sollte dies mit einer eigenen Maschine und einem neu nach Zypern bestellen Pilatus Porter gemacht werden. Doch es kam anders als in Zypern geplant, das Geld fehlte und die eigene Maschine konnte nicht so rasch aus England nach Zypern gebracht werden. Also wurde innerhalb Europa nach einer geeigneten Maschine samt Crew gesucht welche schliesslich auch bei Swissboogie gefunden wurde. Der Pilatus Porter HB-FKL mit seiner auffälligen Breitling-Bemalung flog so also Ende März nach Zypern um als Absetzflieger während einem Monat seinen Dienst zu leisten. Der Pilot, den ich Anfang April in Altenrhein traf, sollte die zweite Hälfte des Aufenthalts in Zypern unten fliegen und anschliessend die Maschine zurück in die Schweiz bringen. Ich selbst wurde auf den Rückflug eingeladen und reiste ein paar Tag vorher an um auch noch den Sprungbetrieb der Red Devils auf meine Speicherkarten zu bannen!

Mein erster Tag in Zypern, früh morgens fahren wir: Meine Wenigkeit, ein Fallschirmspringer aus der Schweiz und natürlich unser Pilot und Chaufeur in Richtung Kingsfield Airbase, welche einige Kilometer von Larnaca entfernt liegt. Die Airbase selbst ist dabei aber nicht viel mehr als eine lange Betonpiste und ein paar wenige Gebäude, für den Fallschirmsprungbetrieb aber mehr als nur ausreichend.


Nach dem Absetzen kommt die HB-FKP schnellstmöglich wieder auf den Platz zurück Der Breitling Porter wird wieder aufgetankt
Basis der Red Devils auf Zypern Debriefing mit Videoaufzeichnung des letzten Sprunges
... und die nächste Gruppe macht sich auch bereit Enge Platzverhältnisse im Innern des Porters

Red Devils in Action


So also der Teil des Berichts wäre durch, nun folgte der spannendste Teil der Reise, der Rückflug mit dem Porter in Schweiz! Ein Trip der Extraklasse!

Samstag 30. April, kurz nach 10 Uhr morgens, wir starten mit unserem Porter zum nicht mal 10 Flugminuten entfernten Airport von Larnace um die Ausreiseformalitäten zu erledigen. Unsere heutige Route: Kingsfield AB - Larnace - Rhodos - Kerkira (Korfu).


Der Küste entlang gehts nach Larnaca


Unser Porter mitten unter all den "grossen". Die Formalitäten laufen derweil ganz unkompliziert und ohne einen Aufenthalt im C-Büro über die Bühne, unser Pilot Lorenz hat währdend des Aufenthalts viele Leute kennengelernt, so auch den Flughafen-Polizeichef welcher uns mit den nötigen Unterlagen direkt beim Flieger die Papiere für den Weiterflug macht.



Formalitäten erledigt, geht es schon 15 Minuten später wieder los. Wieder zeigt sich während des Starts für einmal mehr dass ein Pilatus Porter hier nicht gerade zu den gängisten Mustern gehört. Vom Tower werden wir darauf hingewiesen dass wir bitte so rasch als möglich nach dem Start nach rechts drehen sollten da es vom vorher gestarteten Jet Turbulenzen gibt. Dies wird von unserm Piloten auch sofort gemacht und so drehen wir kurz nach dem Abheben nach rechts. Die Controllerin meldet sich aber bereits wieder ganz nervös am Funk "Hotel-Bravo-Fox-Kilo-Papa, do you see the tower?" Klar sehen wir den Tower und steigen gemächlich an ihm vorbei! Im Cockpit gelächter! Ob die Controllerin wieder unter dem Tisch hervor gekrochen ist wissen wir leider nicht!


An Bord sind nur drei Personen, Gepäck, und div. Rettungsmaterial. Also immer noch genug Platz für alle und sogar eine Bordverpflegung in Form von Chips und verschiedenen Getränken ist mit an Bord!



Unser Porter wird vollgetankt und eigentlich müsste auch hier in Rhodos alles relativ rasch über die Bühne gehen, schliesslich fliegen wir unser nächstes Leg auch innerhalb Griechenlands. Tja aber es sollte anders kommen, ein riesiges leeres Terminal und drei Schweizer für die niemand so richig verantwortlich sein will! So kommte es dass wir von Schalter zu Schalter geschickt werden und es schlussendlich mehr als eine Stunde dauert bis wir wieder im Flieger sitzen.


inflight - auf dem Weg nach Athen


Überraschung in Korfu...

Endlich nach gut 4 1/2 Stunden Flugzeit nähern wir uns dem Airport von Kerkira (Korfu) und beginnen unseren Landeanflug! Wieder bringen wir mit unserem Porter unruhe in das Konzept eines Towerlotsen! Während des Anflugs werden wir plötzlich zum Go Around aufgefordert da wir noch viel zu hoch seihen und eine Landung so nicht möglich sei! Für uns ist das jedoch kein Problem und unser Pilot gibt dem Lotsen zu verstehen dass er einen Pilatus Porter im Anflug habe, und das dies kein "normales" Flugzeug sei! Der Schub wird raus genommen und die Maschine "bremst" schon fast in der Luft! Nase runter und schon wenige Minuten später rollen wir in Richtung Standplatz wo der bunte Vogel mit den Flammen auf dem Rumpf von neugierigen Airport-Mitarbeitern erwartet werden.

Müde, hungrig und wieder einigermassen sicher auf den Beinen begeben wir uns in das Terminal von Korfu und erkunden uns nach einem Hotel was im ersten Moment nur mit einem verwunderten Gesicht entgegengenommen. Freundlich weisst und eine nette Airport-Mitarbeiterin darauf hin dass heut in Griechenland Ostern sei, also der höchste Feiertag des Jahres in Griechenland! Alle Hotels seien bis auf den letzen Platz ausgebucht! Durch viel Glück und einige Telefone schafft es die Mitarbeiterin dann aber doch noch für uns ein Zimmer zu organisieren und wir müssen nach einem feinen Nachtessen doch nicht unter dem Flügel schlafen! Nur eins verpassen wir in Griechenland! Das riesige Feuerwerk haben wir schlicht weg verpennt!


... auf Korfu war kein kleinerer Bus verfügbar ...


Und weiter Richtung Italien!


Eigentlich wäre auf dem Airport von Perugia der letzte Auslands-Stopp geplant gewesen... Aber eben "eigentlich" Der Zoll ist nicht da und auch die Jungs vom Tankwagen füllen uns mehr Jet A1 in die Kabine statt in die Flügeltanks! Schnell wird der Entschluss gefasst gleich in Richtung Milano Linate weiter zu fliegen.

Rund um den Airport Milano-Linate macht uns der kräftige Dunst das Leben schwer und wir werden gezwungen tief in Richtung Airport zu fliegen. Beim Airport selbst kommen wir in den Genuss eines Spezial-Holdings in der nähe des Towers und ziemlich tief! Hier scheint ein Porter kein ungekanntes Flugobjekt zu sein!

Nach knapp 10 Minuten Holding und einigen Alitalia's dürfen auch wir endlich in den Final eindrehen.


Erneut wird unsere Maschine bis unter den Rand betankt und im C-Büro geben wir den Flugplan nach Grenchen auf. Alles OK, es kann in Richtung Grenchen los gehen!
Denkste! Nichts mit los gehen, unser Flugplan scheint im Tower nicht bekannt zu sein und auch ein mehrmaliges Nachfragen bringt uns nicht weiter! Erneut wird dem C-Büro ein Besuch abgestattet, schliesslich hatte man uns vor einigen Minuten dort den Flugplan nach Grenchen bestätigt! 20 Minuten später dann die Lösung auf den nicht vorhandenen Flugplan! Also der Flugplan war schon immer da, nur lag die Kaffeemaschine auf dem Weg zum Faxgerät und dazu kommt noch der Faktor Sonntag! Naja, wir haben es schlussendlich doch noch in die Luft geschaft!



Unsere Route führt uns direkt in Richtung Tessin und im Flieger kommt heimatgefühl auf als man am Funk die ersten Swiss-Flieger hört und unter uns die Gipfel des Schoggi-Landes schneebedeckt vorbei ziehen! Noch gestern waren wir im sandigen Zypern und jetzt Schnee unter uns, schon was spezielles, wenn man bedenkt das man in einem Pilatus Porter sitzt!


Es sind knapp 12 Stunden an reiner Flugzeit vergangen als die Räder des Porters das Gras in Biel-Kappelen berühren und wir im Abendlicht die Turbine ausschalten. Wir sind glücklich, müde und voller Emotionen und Eindrücke einer unvergesslichen Reise! Es war einfach toll!


... endlich wieder daheim !


So das war er nun mein Bericht über eine Reise der Extraklasse! Ich hoffe er hat euch gefallen, auch wenn er etwas lang geworden ist, es war für mich einfach eine Reise die ich wohl nie vergessen werde. An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmals recht herzlich bei allen Beteiligten bedanken welche diesen Trip ermöglicht haben!

Fliegergruss,
Tino Dietsche / airpics4you.ch


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