Geschichte
Zeit der Pioniere
Der Funke für das bis heute nicht erloschene Feuer zündete 1952: Im Schoss der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) hatte sich ein kleiner Kreis von Pionieren mit der damals noch utopisch anmutenden Idee der Rettung aus der Luft befasst. Am 27. April 1952 waren die Mitglieder der SLRG im «Bären» in Twann am Bielersee zur Jahresversammlung zusammengekommen. Der Mediziner Dr. Rudolf Bucher setzte sich dafür ein, dass von der Lebensrettungs-Gesellschaft ein Zweig abgetrennt werden sollte, der sich auf die Rettung aus der Luft spezialisieren sollte. Mit der Zustimmung der Versammlung war die Schweizerische Rettungsflugwacht (SRFW) gegründet und damit das moderne, organisierte Flugrettungswesen geboren.
Wegbereiter der Rettung aus der Luft waren der St. Moritzer Hotelier Fredy Wissel und dessen Flugschüler, der Walliser Berufspilot Hermann Geiger. Schon kurz nach der Gründung der SRFW erfolgten die ersten Einsätze. Nachdem im September 1952 die ersten Rettungsfallschirmspringer der SRFW in England ausgebildet worden waren, zeigte der Einsatz eines Helikopters bei einer Rettungsaktion am 22. Dezember 1952 in Davos neue Möglichkeiten auf. An der einem fliegenden Liegestuhl gleichenden Hiller 360 transportierte der Pilot Sepp Bauer einen Ballonkorb mit dem geretteten Passagier. Die Zukunft in der Luftrettung, so zeigte sich damals, gehörte dem Helikopter.
In dieser Richtung verlief auch die Entwicklung bei der SRFW, die 1957 vom Verein Schweizerischer Konsumvereine einen Helikopter Bell 47 J geschenkt erhielt. Dieser Heli wurde Hermann Geiger für Einsätze im Wallis zur Verfügung gestellt.
Ein neuer Anfang
1960 kam es zur Verselbständigung der Flugretter. Am 19. März wurde die SRFW von der SLRG losgelöst und unter der Ägide von Fritz Bühler reorganisiert. Die Flugrettungsorganisation wurde dezentralisiert und erhielt eine zentrale Alarmstelle. Schritt für Schritt wurden neue Rettungstechniken entwickelt, die der Rega die Anerkennung in- und ausländischer Fachkreise einbrachten.
Neben der Bergrettung befasste sich die Rega bald einmal auch mit der Heimführung verunfallter oder erkrankter Schweizer aus dem Ausland. 1960 erfolgten mit einer gemieteten Piaggio P 166 die ersten Repatriierungsflüge. Die bis heute von staatlichen Finanzmitteln unabhängige, private, als Stiftung organisierte Rega verschaffte sich mit ihrer Leistung einen guten Ruf. 1965 ernannte sie der Bundesrat zur Hilfsorganisation des Schweizerischen Roten Kreuzes.
Meilensteine
Auch im Bewusstsein der breiten Bevölkerung sicherte sich die Rega einen festen Platz. Der Rega-Heli wurde zum stehenden Begriff. Die 13 über die Schweiz verteilten Helikopterbasen garantieren flächendeckend schnelle, gezielte und wirksame Hilfe. Das Prinzip, die Medizin direkt an die Unfallstelle zu bringen, war damals revolutionär und ist bis heute von keiner neuen Erkenntnis abgelöst worden.
In ihrer fünfzigjährigen Geschichte hat die Rega immer wieder Marksteine gesetzt. Im Juni 1973 beschaffte sie den weltweit ersten zivilen Ambulanzjet, den Lear-Jet 24D «Henri Dunant». Ein halbes Jahr später, im November, nahm sie mit dem Bölkow 105 C den ersten Ambulanzhelikopter mit zwei Turbinen in Betrieb. Der neue Heli wurde auf dem Dach des Kinderspitals in Zürich stationiert und hatte wegen seiner häufigen Transporte von Risikogeborenen in Isoletten (Brutkästen) bald den Übernamen Babyheli.
Einen entscheidenden Schritt in Richtung moderne Flugrettung brachte ein erfolgreicher Versuch für den Einsatz eines Rettungshelikopters bei Strassenunfällen, wie ihn 1975 der Regierungsrat des Kantons Zürich genehmigte.
Vom Verein zur Stiftung
1979 beschlossen die Aktivmitglieder des Vereins Schweizerische Rettungsflugwacht die Errichtung der Stiftung Schweizerische Rettungsflugwacht. Gleichzeitig wurde Fritz Bühler, auch «Vater der Rettungsflugwacht» genannt, zum ersten Stiftungsratspräsidenten gewählt. Finanziell getragen wird die Rega von den Beiträgen über 1,6 Millionen Gönnerinnen und Gönner.
1981 stimmten die Delegierten des Schweizerischen Roten Kreuzes der Aufnahme der Rega als Aktivmitglied in die humanitäre Organisation Henri Dunants zu. Die Rega ist seither Korporativmitglied des SRK.
Im Jubiläumsjahr 1992 kam der erste von 15 neuen Agusta-Helikoptern zum Einsatz. Ende 1995 war jede Rega-Basis mit einer solchen Maschine ausgerüstet. Damit war die Erneuerung abgeschlossen, die Einheitsflotte realisiert. Im gleichen Jahr flog die Rega ihren 125'000. Einsatz.
1996 konnte der Grundstein gelegt werden für das Rega-Center am Flughafen Zürich-Kloten. Im August 1997 weihte die Rega ihren neuen Hauptsitz ein und lud die Öffentlichkeit ein zu einem Wochenende der offenen Tür. Erstmals in ihrer 45-jährigen Geschichte war ein grosser Teil des Rega-Personals unter einem Dach vereint.
Text: © REGA-Mediendienst